Literatur | Wissensmanagement 2.0 : Integration sozialer Komponenten in den Wertschöpfungsprozess von Unternehmen

 

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Das Internet und die darüber angebotenen Dienste sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Die Technologien von heute erleichtern uns die Arbeit, verkürzen Wege und liefern Informationen, nach denen wir suchen. Der Mensch als Wissensträger nimmt neben der Technik die zentrale Rolle ein: Im Unternehmenskontext spricht man von Humankapital, mit Hilfe dessen sich Unternehmen Wettbewerbsvorteile gegenüber den Konkurrenten am Markt erarbeiten wollen. Wissen ist in der derzeitigen Wissensgesellschaft das primäre Kriterium zur Definition eines Alleinstellungsmerkmals, was den strategischen Einsatz von Mensch und Technik im Unternehmen erfordert.

Dieses Buch befasst sich mit Theorien und Praktiken des Wissensmanagement, das als interdisziplinäres Aufgabengebiet die Wissenschaften der Soziologie, Kulturforschung, Organisationslehre, Managementlehre sowie der (Wirtschafts-)Informatik umfasst. Dabei soll eine Konvergenz zwischen den Themenbereichen der Wissenstheorie, dem traditionellen Wissensmanagement sowie dem Enterprise 2.0 hergestellt werden, um ein effizientes Wissensmanagement auf Basis des Enterprise 2.0 zu begründen. Hierzu werden organisationale, soziokulturelle und informationstechnische Aspekte betrachtet und entlang der Arbeit im jeweiligen Kontext diskutiert.

Leseprobe/Textprobe: Kapitel 3.7, Anforderungen an das Wissensmanagement: Nach NORTH ist Wissen als Gewusst-WAS nicht ausreichend, sondern es muss zu einem Gewusst-WIE durch konkrete Anwendung bzw. Umwandlung in Fertigkeiten transformiert werden. Denn ‘das Können wird jedoch nur konkret unter Beweis gestellt, […], wenn eine Motivation, ein Antrieb dafür besteht (‘Wollen’) und Mitarbeitende den Freiraum haben, ihr Wissen anzuwenden (‘Dürfen’). Können, Wollen und Dürfen sind entscheidend für das Ergebnis und führen zusammen zur Wertschöpfung.’ Daraus und aus den Erkenntnissen der letzten Abschnitte lassen sich nun die Anforderungen an das Wissensmanagement ableiten: – Wissen liegt in immaterieller Form im Kopf von Menschen vor. Zur Wissensverwaltung müssen zunächst die Träger dieses Wissens identifiziert und motiviert werden, ihr Wissen zu vermitteln und zu reflektieren, damit es durch das Unternehmen verwerten werden kann. ‘Das persönliche Engagement der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit dem Unternehmen und seiner Mission werden unverzichtbar’. – Wissen wird für das Unternehmen erst dann nutzbar, wenn es explizit vorliegt. Mitarbeitern müssen also Möglichkeiten geboten werden, ihr implizites Wissen zu explizieren. Dies kann durch geeignete Ausdrucksmittel aber auch durch Interaktion untereinander stattfinden. Wenn implizites Wissen expliziert wird, ist es wichtig, dieses in einer Form zu kommunizieren und zu dokumentieren, sodass es auch in der Zukunft und vor allem auch anderen Personen zur Verfügung steht. Es müssen also geeignete Medien bereitgestellt werden, um explizites Wissen dauerhaft zur Verfügung zu stellen. – Die Voraussetzungen für die Wissensspirale müssen gegeben sein. Das Unternehmen muss eine klare Vorstellung davon haben, welche Ziele sie verfolgen und welches Wissen dafür nötig ist. Mitarbeiter sollen selbstständig arbeiten und durch den Einsatz in verschiedenen Gruppenkonstellationen Wissen zu allen Funktionsbereichen erarbeiten können. – Wissen wird grundsätzlich durch die Faktoren Technik, Mensch und Organisation beeinflusst. Durch fehlendes Verständnis und den somit fehlenden Zusammenhang zwischen den Einflussfaktoren sind die daran beteiligten Einheiten meist voneinander isoliert und deren Arbeiten entkoppelt, wodurch eine mangelnde Koordination entsteht. Ein Verständnis ist also zu schaffen. 4, Wissensmanagement: PROBST et al. definieren das Wissen im Unternehmen und somit den zentralen Aspekt des Wissensmanagement als organisationale Wissensbasis. Diese Basis ‘setzt sich aus individuellen und kollektiven Wissensbeständen zusammen, auf die eine Organisation zur Lösung ihrer Aufgaben zurückgreifen kann.’. Auch Daten und Informationen als Grundlage sind Teil der Basis. Demnach bildet das Wissensmanagement ‘ein integriertes Interventionskonzept, das sich mit den Möglichkeiten zur Gestaltung der organisationalen Wissensbasis befasst’ und auf den zielorientierten, unternehmensrelevanten Einsatz sowie der Generierung von Wissen zur Problemlösung und Kompetenzbildung abzielt. Wissensmanagement bedeutet somit die Identifizierung und Bereitstellung des Gewusst-was und schafft Rahmenbedingungen, um das Gewusst-wie durch die optimale Anwendung von Wissen im Unternehmen zu erreichen, und zwar sowohl aus strategischer als auch aus operativer Sicht. Ziel ist die Umsetzung des Können (Wissen und Fähigkeiten) und des Wollen (Motivation), als auch des Dürfens (Arbeitsbedingungen und Verantwortlichkeiten). Für das Dürfen ist ein organisatorischer Rahmen nötig, der das Wissensmanagement unterstützt. Von entscheidender Bedeutung ist dabei jedoch, dass das Ziel des Wissensmanagement klar definiert sein muss. Denn ‘wer nicht versteht, was, wie und warum genau verbessert oder entschieden werden soll, der kann im betrieblichen Wissensmanagement kaum erfolgreich sein’. (Quellenangabe: Diplomica Verlag GmbH)